Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftwerke

Themen, die die Welt (nicht?) braucht. Für die einen ist es "off-Topic". Für die anderen auch.

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Bender » 17.03.2011 06:47

Guensator hat geschrieben:ich hätte eher drauf getippt das es daran liegt das man den scheiß nicht sehen kann und nicht so richtig weiß wo man sich sicher fühlen kann oder nicht, also eher richtung kontrollverlust usw...
Stimmt ja auch.
Ohnmachtsgefühle also.
Niemand fühlt sich gern hilflos.
Was bleibt also? Angriff oder Flucht.
Die Japaner flüchten, da ein Angriff nutzlos wäre (richtig so).
Die Deutschen (und andere Länder) greifen (blindlings!) an, um sich ja diesen "bösen" Gefühlen nicht stellen zu müssen.
Früher waren es die Juden, dann die Braunen, und nun ist es das böse Atom, was die Sündenbockfunktion erfüllen muss.
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Schattenwal » 17.03.2011 08:08

Eigentlich müßte diese Angst vor der unsichtbaren Gefahr (atomare Strahlung oder welches Gift auch immer) unser ganzes Leben bestimmen, aber da das nicht lange auszuhalten ist, und im Grunde auch nicht viel Sinn macht werden diese "Ohnmachtgefühle" entweder verdrängt oder bekämpft. Wie Verdrängung aussieht ist bekannt und wie Bekämpfung funktioniert kann man derzeit von Früh bis Abends in den Nachrichten über deutsche Politik verfolgen.

Blinder Aktionismus.

Das Leben ist alles, nur eines nicht... sicher.
Das ist noch lang kein Grund hier so rumzuschreien.

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Fussballgott » 17.03.2011 08:18

Ihr Hobby-Psychologen...Unfälle im Zusammenhang mit AKW´s mit Autounfällen und/oder Zigarettenkonsum zu vergleichen, halte ich für ganz schön weit draußen...Immerhin kann ich das eine mehr oder weniger selbst beeinflussen, während ich beim anderen zukucken muss. Komische Argumentation...

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von fBx » 17.03.2011 09:35

So 'n Quatsch. Wärste mal Atomphysiker geworden, könntestes auch beeinflussen.

:facepalm:

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Fussballgott » 17.03.2011 11:47

@fbx: :rofl Groooooooßartiger Beitrag!!!
spiegelonline hat geschrieben:Eine Katastrophe ist das unerwartete Zusammentreffen unerwarteter Umstände. Die Katastrophe ist per definitionem nicht planbar. Es bleibt ein Restrisiko. Im Fall der Atomkraft ist das nicht akzeptabel, darum ist die Atomkraft nicht akzeptabel. Es galt immer schon, dass eine kleine Wahrscheinlichkeit multipliziert mit unendlichen Schäden ein ethisches Nullum ergibt, etwas, das von keinem Menschen zu verantworten ist, eine untragbare Verantwortung.
Die Politik hat sich darüber hinweggesetzt weil billige Energie hohen Lebensstandard bedeutet. Die Nutzung der Atomkraft ist ein fortgesetzter Bruch der Vernunft.

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Bluntman » 17.03.2011 13:18

You can not imagine the immensity of the f*ck I do not give.

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Bender » 17.03.2011 19:48

Fußballgott via Spiegelonline hat geschrieben:Es bleibt ein Restrisiko. Im Fall der Atomkraft ist das nicht akzeptabel, darum ist die Atomkraft nicht akzeptabel.
Unten auf der Straße rauscht grade ein Tanklaster vorbei.
Von Kronospan und Wacker schrieb ich ja schon, liegt beides gleich um die Ecke.
Der Gen-Scheiß im Futter, der die Bienen zwar tötet, aber dem Menschen glücklicherweise nichts tut.
Und das Schlimmste: welche Wirkungen haben Feinstaub, Pestizide, Fleisch von mit-Fleisch-gefütterten Tieren sowie die ganzen Strahlen von Handy, DVB-t und CO tatsächlich?
Was verursacht eigentlich Krebs wirklich?
Ist HIV die Strafe Gottes für das Lotterleben der Schwarzen?

Keiner weiss nix genaues. Und ich erst recht nicht. Restrisiko 3000.

Im Grunde ist bei den 1000 Möglichkeiten, langsam und qualvoll oder auch schnell und sofort zu krepieren ohne etwas dagegen tun zu können, die bisherige Nummer 721 in den Fokus gerückt und hat dadurch einige Plätze in der Rangliste nach oben gut gemacht.
Nochmal: an der realen Bedrohung hat sich ja (für uns in Deutschland) nichts geändert.

Frage: was wäre geschehen, wenn es eine große Chemiefabrik gewesen wäre, die jetzt mit extrem giftigen Gasen (die rund um den Globus ebenso bedenkenlos eingesetzt werden) Millionen von Menschen und die Umwelt bedroht?

Zusammenfassend: ich finde es gut, dass es durch den Unfall in Japan zur Diskussion und damit zur (berechtigten!) Infragestellung der Atomkraft gekommen ist, aber ich lehne jeglichen blinden Aktionismus (© 2011 by Schattenwal) ab.
Wenn der Unfall ohne Erdbeben und Tsunami und mitten in Europa stattgefunden hätte, könnte man durchaus akute Maßnahmen ergreifen. Aber nicht in diesem Fall.


Musst grad herzlich lachen, als ich das gelesen habe:
Spiegel-Online-Forum hat geschrieben:Kannst du haben: Solarenergie ist Fusionsenergie. Das Fusionskraftwerk ist "bequeme" 8 Lichtminuten weit weg, läuft aber selbst im Normalbetrieb nicht störungsfrei - immer wieder werden in Protuberanzen gewaltige Mengen Materials freigesetzt, die uns ohne die ganzen Schutzvorkehrungen unseres Planeten (Magnetfeld, Atmosphäre) sicher töten würden. Es gilt als sicher, dass dieser Fusionsreaktor am Ende seiner Betriebsdauer explodieren wird, auch wenn man meint, diese Explosion sei "beherrschbar", also keine "Supernova", würde also nur dieses Planetensystem unbrauchbar machen. Die Laufzeit wurde von Anfang an auf ca. 10 Milliarden Jahre festgelegt, offensichtlich aus rein wirtschaftlichen Gründen. Das Ding läuft ohne Kontrollmannschaft im Automatik-Modus, ein Eingreifen ist nicht möglich, ein Abschalten ebensowenig. Es gibt keinerlei Betriebsgenehmigung.

Ach ja, zur allgemeinen Beruhigung: Das ganze Ding ist aus Schrottteilen einer vorhergehenden Sternenexplosion zusammengebastelt.
:harhar: :harhar: :harhar:
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von davedigger » 17.03.2011 22:07

mir reicht mein beruflicher umgang damit, in kleinen Dosen^^
kontrollbereiche meide ich, da hab ich keinen zugang...und ich denke mein wissen über kernraktionen reicht mir um zu wissen das das auf dauer nicht beherschbar sein KANN! denkt immer an die dummheit der betreiber und die blödheit der techniker^^...und andere Unberechenbarkeiten...
Bender hat geschrieben:Frage: was wäre geschehen, wenn es eine große Chemiefabrik gewesen wäre, die jetzt mit extrem giftigen Gasen (die rund um den Globus ebenso bedenkenlos eingesetzt werden) Millionen von Menschen und die Umwelt bedroht?
ist nicht vergleichbar...Chemietechnik toleriert mehr fehler...

und

"Nochmal: an der realen Bedrohung hat sich ja (für uns in Deutschland) nichts geändert."

japp...wie gesagt Betriebstagebücher, die Bedrohung ist real :P aber da können wir eh nicht mitreden, das entscheiden andere für uns :skull
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
...3. eine nukleare Explosion verursacht ..." § 328 II Nr. 3 StGB gut zu wissen!
(2) Es ist einfacher ein Atom zu spalten als ein Vorurteil!

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Bender » 18.03.2011 06:37

davedigger hat geschrieben:mir reicht mein beruflicher umgang damit, in kleinen Dosen^^
Nanu? Forschung? Medizin?
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Fussballgott » 18.03.2011 14:39

Melodie der Zerstörung


http://www.abload.de/img/image-190931-galleryv9cbk7.jpg

http://www.abload.de/img/image-192690-galleryv9yqoe.jpg

http://www.abload.de/img/image-192670-galleryv9wp88.jpg

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von davedigger » 18.03.2011 16:36

autsch ich dachte zuerst das sind Bilder vom BP Golf
Bender hat geschrieben:Nanu? Forschung? Medizin?
Letzeres, Strahlentechnik ist meine heimliche Leidenschaft...auch alles was Bilder gibt (Röntgenanwendungen)

Für medizinische Zwecke ist die Nutzung voll ok, das Risiko vertretbar. Gerade in der Nuklearmedizin. Da sind die Reaktion auch nicht so heftig wenn im Reaktor was schief geht.
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
...3. eine nukleare Explosion verursacht ..." § 328 II Nr. 3 StGB gut zu wissen!
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von bronco » 19.03.2011 01:35

@Fusi: sehr interessanter Bericht. Geo Leistungskurs und so...
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Jenser! » 19.03.2011 11:41

habe gelesen, dass beim reaktorunfall in chernobyl 500000 menschen beschäftigt waren um den sarg zu bauen und aufzuräumen/dekonterminieren.

schon klar, dass in japan 200 leute die lage wenden werden.... :crazy:
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Sickboy » 19.03.2011 19:49

Jenser! hat geschrieben:habe gelesen, dass beim reaktorunfall in chernobyl 500000 menschen beschäftigt waren um den sarg zu bauen und aufzuräumen/dekonterminieren.

schon klar, dass in japan 200 leute die lage wenden werden.... :crazy:
Naja, wir legen es mal als ein Pro aus das sich von 1986 bis heute die Technik verbessert hat, aber dennoch hat die ganze Kacke da noch einen langen Rattenschwanz dran...mal schauen wie sich die Sache weiter entwickelt.
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Jenser! » 24.03.2011 20:04

und radioaktivität wird freigesetzt.... unentwegt....


:skull :skull :skull
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Bender » 25.03.2011 14:00

Helmut Kohl schreibt in BILD über die Atom-Krise
Altkanzler Kohl via BILD hat geschrieben:[...]

Die Wirklichkeit ist: Deutschland ist nicht Japan. Japan ist nicht Deutschland. Dieser Satz ist weder banal noch zynisch, er weist den Weg.

[...]

Wahr ist aber auch: In Deutschland hat sich dadurch erst einmal und unmittelbar gar nichts verändert. Die Kernenergienutzung in Deutschland ist durch das Unglück in Japan nicht gefährlicher geworden, als sie es vorher gewesen ist. Und, dass es ein Risiko gibt, ist nicht neu, es war uns immer bewusst.

Was sich aber verändert hat, ist die Wahrnehmung der Menschen. Die Ereignisse in Japan haben schlagartig vor Augen geführt, was das Restrisiko in der Kernenergienutzung im Einzelfall bedeuten kann.

Die Lehre aus Japan darf jetzt nicht die berühmte Rolle rückwärts sein.

Die Lehre aus Japan muss zunächst einmal sein, dass wir akzeptieren: Was in Japan passiert ist, ist schrecklich, aber – in aller Brutalität – es ist auch das Leben.

Das Leben ist ohne Risiken nicht zu haben. Wer den Menschen dies verspricht, sagt schlicht die Unwahrheit. Es gibt kein Leben ohne Risiken, sie gehören zum Alltag wie Wind, Wasser und Sonne.

Was wir aber tun können und müssen, ist, Vorsorge zu treffen und die Risiken zu minimieren. Darin liegen zugleich Herausforderung und Verantwortung. Dies gilt umso mehr in so sensiblen Bereichen wie der Kernenergie. Aber, auch das ist nicht neu, es war bereits immer Leitfaden unseres Handelns.

Vor dem Hintergrund des Unglücks in Japan ist Deutschland also gerade jetzt gefordert, seine Verantwortung nach innen wie außen als führende Industrienation und Technologieführer wahrzunehmen und im Rahmen des Machbaren und Möglichen Wege nach vorn zu weisen. Wenn wir jetzt Ruhe und Nachdenklichkeit, Mut, Zuversicht und Führung zeigen, bin ich sicher, dass wir unsere Verantwortung weiter in der Weise wahrnehmen können, wie es die Menschen in unserem Land und unsere Partner in der Welt von uns erwarten.

Der von mancher Seite jetzt propagierte überhastete Ausstieg aus der Kernenergie ohne Alternative wäre dabei das Gegenteil von vorbildlich und eine gefährliche Sackgasse. Ein überhasteter Ausstieg würde zum Guten nichts bewirken.

Im Gegenteil, wenn das Land, dessen Kernkraftwerke zu den sichersten der Welt gehören und dessen Ingenieurskunst in der ganzen Welt bewundert und geachtet wird, überhastet ausstiege, würde dies die Welt sogar gefährlicher machen.

Es ist ein folgenschwerer Irrtum anzunehmen, dass andere Länder uns folgen würden. Uns muss klar sein, dass, solange es keine glaubwürdige, wettbewerbsfähige und umweltschonende Alternative zur Kernenergie gibt, es auch keinen weltweiten Ausstieg aus der Kernenergie geben wird.

Ein überhasteter, einsamer Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie würde das Fundament unserer Industriegesellschaft aushöhlen, uns technologisch isolieren, unsere Abhängigkeit von weniger sicheren Kernkraftwerken erhöhen und – wegen unserer erhöhten Nachfrage – die Zahl weniger sicherer Kernkraftwerke in zumal unmittelbarer Nachbarschaft unseres Landes womöglich vergrößern. Wer den schnellen Ausstieg ohne Alternative jetzt propagiert, muss auch diese zweite Seite des Ausstiegs offen benennen.

Das alles war – das kann man in diesen Tagen nicht oft genug sagen – uns, gerade auch mir persönlich, in der Diskussion über die Kernenergie immer bewusst. Natürlich, das ist auch wahr, hat Japan in die Diskussion eine neue Dramatik gebracht, aber wir sollten jetzt nicht so tun und vor allem auch nicht danach handeln, als sei uns das Risiko der Kernenergie erst durch Japan offenbar geworden und als bedeute Japan wirklich gänzlich neue Erkenntnisse.

Unser Ja, mein Ja jedenfalls, zur Kernenergie ist mir im Bewusstsein des Restrisikos nie leicht gefallen, es war immer nur ein Jein oder, besser gesagt, ein konditioniertes, aber klares Ja zu einer Brückentechnologie.

Die Lehre für Deutschland ist deshalb jetzt auch: Machen wir uns das Risiko der Kernenergie einmal mehr bewusst, bleiben wir wachsam und sensibel. Auch sollten wir sicherheitshalber unsere Kernkraftwerke noch einmal auf den Prüfstand stellen. Zugleich müssen wir die schwierige Frage der Endlagerung endlich und zufriedenstellend lösen.

Deutschland muss außerdem in der Erforschung alternativer Energiequellen seine Rolle als Technologieführer weiter wahrnehmen. Das heißt: Wir müssen viel stärker als bisher auf einen Energiemix setzen und Wege offenhalten. Wir sollten uns nicht vorschnell und endgültig aus bestimmten Energiequellen verabschieden, wie Gas und Kohle, oder uns auf bestimmte Energien festlegen, wie Wind und Sonne.

Technologischer Fortschritt bedeutet eben auch, dass vermeintlich „veraltete“ Ressourcen morgen ein Hoffnungsträger sein können. Wir müssen also ergebnisoffen alle Möglichkeiten erforschen und weiterentwickeln.

Je schneller wir Alternativen entwickeln und uns in der Energiefrage breit aufstellen, desto eher können wir aus der Kernenergie aussteigen – und dann auch weltweit Vorbild sein.
Top. :up:

Quelle: Bild.de
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Gurney Halleck » 26.03.2011 13:16

tja, in Japan wird es auch nach zwei/ drei Wochen immer noch schlimmer und schlimmer. Und immer noch kein Ende in Sicht. Damit ist nicht das Happy-End gemeint, das können wir ja ausschließen. Aber irgendwann wird jemand verkünden müssen, und zwar mit wissenschaftlich erworbenen Belegen und nicht aus einer politischen Fragestellung heraus, wie schlimm es mit der ausgetretenen Strahlung nun letztlich geworden ist und womit nun die nächsten, ähm, Millionen Jahre zu rechnen ist.
Das jedoch setzt voraus, dass die japanischen Jungs die Lage irgendwann so weit unter Kontrolle bekommen, dass von einem Zeitpunkt "x" an keine neue radioaktive Strahlung mehr austritt. Aktuell ist von einem solchen Zeitpunkt nichts zu sehen und es bleibt nur zu hoffen, dass er irgendwann mal ran ist.



Noch ein Wort zu Helmut Kohl:
Helmut Kohl hat geschrieben:Wahr ist aber auch: In Deutschland hat sich dadurch erst einmal und unmittelbar gar nichts verändert. Die Kernenergienutzung in Deutschland ist durch das Unglück in Japan nicht gefährlicher geworden, als sie es vorher gewesen ist. Und, dass es ein Risiko gibt, ist nicht neu, es war uns immer bewusst.

Was sich aber verändert hat, ist die Wahrnehmung der Menschen. Die Ereignisse in Japan haben schlagartig vor Augen geführt, was das Restrisiko in der Kernenergienutzung im Einzelfall bedeuten kann.
Helmut Kohl hat fast mit allem recht. Außer:
Es stimmt eben genau nicht, dass sich "erst einmal gar nichts verändert" hätte. Und es stimmt auch nicht, dass das Risiko "ihnen immer bewusst war".

Niemand, zumindest niemand der politische Entscheidungsmacht zu Fragen der Atompolitik hatte und dafür gestimmt hat, hat das Risiko jemals richtig eingeschätzt. Sehr wahrscheinlich wurden Entscheidungen dieser Art immer mit der Abwägung zur Energiegewinnung getroffen und aus diesem Blickwinkel sind sie zumindest nachzuvollziehen.

Das sogenannte Restrisiko, von dem man so häufig liest in diesen Tagen, haben alle weggewischt. Restrisiko? Wo denn? Läuft doch alles.

Wir sprechen bei der Atomenergie von der umgekehrten Kraft der Sonne, die wir hier auf der Erde laufen lassen. Nicht etwa einmal in Sibirien und noch einmal in der Sahara, sondern etwa 450 mal weltweit. Das Restrisiko ist insofern kein Restrisiko mehr, von wegen 1 Störfall in 100.000 Jahren. Seit wann gibt es Atomkraftwerke? 50 Jahre? Und wie viele Störfälle hatten wir bisher, weltweit? Und das soll mir keiner erzählen von wegen die Atomenergie in Deutschland ist sicher, denn wir leben nicht auf dem Planeten Deutschland, sondern mitten im Europa, fast alle um uns rum haben auch Atomkraftwerke und meist an unseren Grenzen. So wie unsere Atomkraftwerke zumeist auch an ihren Grenzen stehen. Warum? Weil niemand Bock hat, dass der radioaktive Mist, wenn es zu einem Störfall kommt bei ihm selber hängen bleibt. Sondern man hofft, dass am Störfalltag der Wind günstig stehen mag und das Zeug möglichst weg zum Nachbarn wehen mag. Das ist mal verantwortliche Politik.

Falls wir mal einen Störfall bekommen, will ich nur mal darauf aufmerksam machen, was das heißt, im Gegensatz zu ALLEN anderen Möglichkeiten der Energiegewinnung. Selbst im Unterschied zu allen anderen Störfällen und industriellen Bereich. Und auch in der Konsequenz zu allen anderen "Bedrohungen"
Bender hat geschrieben:Unten auf der Straße rauscht grade ein Tanklaster vorbei.
Von Kronospan und Wacker schrieb ich ja schon, liegt beides gleich um die Ecke.
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Und das Schlimmste: welche Wirkungen haben Feinstaub, Pestizide, Fleisch von mit-Fleisch-gefütterten Tieren sowie die ganzen Strahlen von Handy, DVB-t und CO tatsächlich?
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Bei vielen anderen Bedrohungen, die mit Tod enden, enden sie einfach mit Tod. In schlimmeren Fällen auch mit Tod der Nachkommen.
Und hier rutscht auch nicht eine Bedrohung mal ein paar Rangplätze nach oben auf der Hitliste, "Der größten Bedrohungen, die womöglich mit Tod enden".
Wenns schief geht mit der Nutzung der Kernenergie hiezulande, verzichten wir dann auf einen Teil unseres Landes. So wie die Ukraine auf einen Teil ihres Landes verzichtet hat, dass man nun nicht mehr betreten kann und wo sich schon gar nichts mehr ansiedeln kann, für die nächsten paar Millionen Jahre. Man stelle sich ein Gebiet von etwa 500km mal 500km in Deutschland vor, was man nicht nutzen kann für die nächsten paar, nun ja, paar zehntausend oder gar Millionen Jahre.


Zurück zu Helmut Kohl:
Dass das (Rest-)Risiko nach Japan anders bewertet werden muss, bedeutet faktisch genau dasselbe, als hätten sich in Deutschland die Umstände für eine Nutzung der Kernenergie(, zum Beispiel durch plötzliches Auftreten von schweren Erdbeben heirzulande) tatsächlich geändert. Aus technischer Sichtweise kann so argumentieren. Aus politischer Sichtweise nicht mehr. Das Risiko ist neu zu bewerten oder sagen wir mal besser, ist wohl diesmal realistisch einzuschätzen. Helmut Kohl muss im Nachhinein auch seine eigenen politischen Entscheidungen recht fertigen. Vor der deutschen Bevölkerung und vor der Geschichte. Seine Argumentation ist daher verständlich, aber ich glaube auch er hätte, wäre das Risiko damals realitischer eingeschätz worden, keinen neuen Atomkraftwerken zugestimmt.
Auch der japanische Premierminister hätte wohl, hätte man ihn eine Woche vor dem Erdbeben zur Sicherheit der Atomkraftwerke in seinem Land befragt, geantwortet: "Atomenergie? Bei uns ist alles ganz sicher."
Bild
...im Niveau flexibel.
...und manchmal ahnungslos bis ins kleinste Detail.

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Jenser! » 26.03.2011 14:05

der angesprochene punkt "x" wird so in 25000 jahren erreicht. am akw tschernobyl, werden heute noch 1000 fach erhöhte werte gemessen.

laut greenpeace ist der gau in japan nicht mit der skala bis 7 bewertbar. ich sagte ja schon, dass das dicke ende noch kommt.

wenn man sich die auswirkungen eines solchen vorfalls ansieht, gibt es für mich keine andere möglichkeit als alle akw´s des planeten abzuschaffen. wenn wir sie weiterbetreiben wird sowas immer mal wieder passieren.für einen komplettausstieg fehlt die technik um strom so günstig zu erzeugen,klar.da liegt aber ein ansatz...

helmut muß ich recht geben, dass wenn deutschland allein völlig aussteigt, der welt nicht geholfen ist.da muß es schon weltweit klick machen.

immerhin hat ja der vorfall in tschernobyl damals die atomare abrüstung angetrieben.gorbi sagte im tv, dass russland damals 2800 ss18 raketen hatte, die jeweils 100x mal mehr radioaktivität in sich hatten als der unfall am akw. :8

vieleicht helfen ja die bilder des leidens um den richtigen weg einzuschlagen, man kann es nur hoffen.
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Ein Mensch wird schon als Kind erzogen und dementsprechend angelogen. Er hört die wunderlichsten Dinge, wie das der Storch die Kinder bringe, dass Christkind Gaben schenkt zur Feier, der Osterhase lege Eier.  Nun, er durchschaut nach ein paar Jährchen, dass all das nur ein Ammenmärchen. Doch andre, weniger fromme Lügen glaubt bis zum Tod er mit Vergnügen.

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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von davedigger » 26.03.2011 17:38

tja aber wenn deutschland allein aussteigt sind wir halt der moralische sieger^^ wie in diesem falle österreich!!!

aber im ernst:
es glaubt doch nicht wirklich irgendeiner das man technisch eine KERNREAKTION im Griff hat, nur weil 50 jahre (Tschernobyl ausgenommen) ziviler nichtz schlimmes passiert ist. ich kann mir nur immer fassungslos den eintritt des restrisikos in nippon anschauen und den kopf schütteln :wut: :wut: :wut:

der mensch lehrt nun mal nur aus fehlern und die meisten müssen sie selbst begehen...scheiß Gaußglocke!
Zuletzt geändert von davedigger am 26.03.2011 17:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Japan 03/2011: Erdbeben 8.9, Tsunami, kaputte Atomkraftw

Beitrag von Bender » 26.03.2011 17:41

davedigger hat geschrieben:es glaubt doch nicht wirklich irgendeiner das man technisch eine KERNREAKTION im Griff hat
Wir haben ja noch nichtmal nen simplen Schnupfen im Griff :))
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