Der schleichende Untergang des deutschen Sozialstaates

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Der schleichende Untergang des deutschen Sozialstaates

Beitrag von Schattenwal » 22.04.2016 13:03

Liebe Freunde,

wie ihr eventuell mitbekommen habt wird in den letzten Tagen oft das Thema Rente durch die Nachrichten geschoben. Man hört von tatsächlichen Fakten, wie die kommende Rentenerhöhung, und bekommt es mit neuen Vorschlägen zu tun, wie z.B. ein Renteneintrittsalter mit 70 Jahren. Dazu gibt es hier und da Berichte über die derzeitige Jugend welche nicht gern über Altersvorsorge nachdenkt und lieber im "Hier und Jetzt" lebt. Wir haben eine derzeitige Staatsverschuldung von 2144 Milliarden Euro. Der Anteil derer, die den Sozialstaat am Leben halten wird immer kleiner und anstatt diesem Trend entgegenzuwirken wird die "keine Obergrenze" Mentalität als neue Religion verkauft.

Kann das noch gut gehen?
Ich glaube nicht mehr dran.

Wir haben in unserem Land nicht einen Politiker, der die Eier hätte dieses Problem anzufassen. Es wird "Wählerstimmenpolitik" betrieben, egal wo man hinschaut.
Das GOLDENE FUNDAMENT unseres Sozialstaates, die erwirtschaftende Bevölkerung spielt keine große Rolle mehr. Es ist eine Minderheit geworden.
Und Minderheiten führen nicht zu Wahlsiegen.

Aber bitte wo soll das enden? Wir alle hier sollen im Schnitt noch 30 Jahre arbeiten gehen (bestimmt bald 35) und unsere Zukunftsaussichten sind mehr als bescheiden.
Aktionen wie die kommende Rentenerhöhung sind Faustschläge ins Gesicht für unsere Generation. Und geschlagen werden erhöht selten die Motivation am Ball zu bleiben.

Und anstatt die arbeitende Bevölkerung in den Himmel zu heben werden hier immer mehr Hindernisse und Kürzungen und was auch immer eingebaut um noch mehr Kohle rauszuziehen.
Hauptsache umverteilen und alle so sozial wie möglich behandeln, egal ob es wirtschaftlich überhaupt tragbar ist.

Das ist so dumm, da könnt ich als Unternehmer im Kreis kotzen.

Oder hat hier jemand Hoffnung?
Das ist noch lang kein Grund hier so rumzuschreien.

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Re: Der schleichende Untergang des deutschen Sozialstaates

Beitrag von DIOK » 22.04.2016 18:43

Mh ... ich versteh gerade nicht was dein persönliches Problem (als Unternehmer) mit dem Thema ist? Du bist doch da raus oder?

Das die Rente nicht sicher ist, ist doch schon lange klar. Und als Unternehmer musst du doch eh selber - also nicht vom Staat verpflichtet - vorsorgen. Für alle Angestellten unserer Generation und jünger heißt es doch seit ein paar Jahren, sich auch noch "privat" für die Rente was zurückzulegen. Was das Renteneintrittsalter bin ich mal gespannt was in 30 Jahren passieren wird oder festgelegt wurde. Bis dahin sind noch viele Regierungen am Zug. Letztendlich ist es doch egal, wenn eh kein Arbeitsplatz für einen 65 Jährigen Straßenbauer z.B. mehr vorhanden ist. Oder ergibt sich das dann automatisch, weil ja keine Jüngere Generation mehr da ist. Hm ... :? Das Problem ist die im unteren Bereich schwächelnde Bevölkerungspyramide. Meiner Meinung nach (auch) geschaffen durch eine unzureichende Familienpolitik! Der Staat sollte alles Mögliche dafür tun, dass die Jungen Kinder bekommen und erfolgreich arbeiten können. Männer wie Frauen! Und das meine ich nicht nur finanziell. Freie Kitaplatzbetreuung zB. ist schon mal ein Anfang. Allerdings sollten auch Arbeitgeber und Unternehmer unterstützt werden, um Arbeitnehmer/innen mit Kindern so flexibel, gut und erfolgreich wie möglich arbeiten lassen zu können. Bedeutet mehr Renteneinzahler von heute und morgen!

Oder wir lassen noch mehr Flüchtlinge rein, bilden sie aus, lassen sie arbeiten und haben zack zigtausend Steuer- und Rentenzahler binnen kürzester Zeit am Start. :8 dann isses zwar ein nicht mehr ganz so deutscher Sozialstaat würden einige ewig Gestrige anmerken, aber immerhin noch ein Sozialstaat. Oder sehe ich das zu einfach?
LOOK!
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Re: Der schleichende Untergang des deutschen Sozialstaates

Beitrag von Sickboy » 22.04.2016 18:57

Die Frage die sich mir stellt ist, ist warum ich mich auf etwas verlassen sollte was mal in ca 30 Jahren eintreten soll? Macht doch kein normaler Mensch oder?

Ich halte diesen Sozialstaat schon lange für überholt und eigentlich auch gescheitert. Man sollte ganz einfach mal anfangen bei denen einzusparen die diesen Sozialstaat nur ausnutzen. Dann könnte auch was für die übrig bleiben die ihr Leben lang gearbeitet haben.

Wenn ich meine Rentenbescheide so verfolge, so ist da seitdem ich sie bekomme ein klarer Abwärtstrend zu erkennen. Also ist für mich auch klar das ich wahrscheinlich mal keine Rente bekomme, wenn denn der Trend so anhält. Aber wie DIOK schon schrieb....bis dahin sind noch viele Regierungen am Ruder.

Schauen wir mal was so passiert....in den nächsten 30 Jahren. Vorsichtshalber verlasse ich mich nicht darauf Rente zu bekommen. Und Gott sei Dank bin ich auch nicht auf Herrn Riester-Rente reingefallen... :pfiff:
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Re: Der schleichende Untergang des deutschen Sozialstaates

Beitrag von Schattenwal » 23.04.2016 09:47

@Diok
Ich bin durch die Künstlersozialkasse gesetzlich pflichtversichert. Zahle also die gleichen Sozialabgaben wie ein Arbeitnehmer.
Und ja, du hast völlig Recht... man könnte zum Beispiel bei der Familienpolitik ansetzen. Hier gibt es etliche Baustellen.


@Sickboy
Wieso nicht verlassen auf das was in 30 Jahren kommt? Warum bezahlst du den jetzt deine Sozialabgaben? Wegen dem Generationsausgleich... dem Hauptversprechen des Sozialstaates.
Es sollte einen zumindest beunruhigen zu sehen wie verantwortungslos mit unserer Zukunft umgegangen wird. Denn wenn so klar ist, dass wir keine sichere Rente haben, wieso wird dir dann dein Beitrag nicht zurücküberwiesen damit du ihn selber vernünftiger anlegen kannst.
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Re: Der schleichende Untergang des deutschen Sozialstaates

Beitrag von DIOK » 23.04.2016 10:08

Ah ok alles klar verstehe!
Wieso nicht verlassen auf das was in 30 Jahren kommt? Warum bezahlst du den jetzt deine Sozialabgaben? Wegen dem Generationsausgleich... dem Hauptversprechen des Sozialstaates.
Wie willst du denn das machen - darauf vertrauen was in 30 Jahren kommt? Bis dahin wird noch so viel passieren. Vielleicht sind wir ja dann schon ein europäisches IS Kalifat. 1985 hätte ja auch keiner in der DDR gedacht, dass dieser Staat 5 Jahre später aufgelöst wird! Alter! Der Staat in dem wir geboren sind existiert nicht mehr! Und du willst dich drauf verlassen, dass ein geltendes Recht von heute in 30 Jahren noch steht? Niemand kann dir etwas garantieren glaube ich. Es ist alles ein IST Zustand. Und wenn jemand kommt und Dinge ändert, wird es ihm seinen Job kosten. Hat nicht Schröder die fällige Rentenreform damals durchgebracht und alle fanden es doof? Oder Obama. Drückt eine Änderung im Gesundheitssystem und im Waffengesetzt durch und ist der Buhmann der Nation. Gut, er kann auch nicht wieder gewählt werden. Das wir heute in die gesetzliche Rente einzahlen ist heute geltendes Recht. Wie willst du das denn "für jetzt" abschaffen oder ändern. Wir sind doch in einem laufenden Prozess. Der Hardcut hätte schon viel eher kommen müssen- aber wann? Ich glaube du könntest das jetzt für in 30 Jahren versuchen zu ändern. Aber nur über eine laufende Entwicklung.

Aber ich denke du hast Recht damit, dass ganz viel Wählerstimmenpolitik zur Zeit gemacht wird.
Und die Rentner von morgen werden gerade überhaupt nicht erreicht und somit motiviert sich politisch zu engagieren.
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Re: Der schleichende Untergang des deutschen Sozialstaates

Beitrag von Sickboy » 23.04.2016 10:41

@Schattenwal

Ja natürlich bezahle ich meine Sozialabgaben um später etwas davon zu haben. Aber ich bezahle ja auch meine Kfz-Steuer für die Instandhaltung des Straßennetzes. Und machen wir uns nix vor...von unserer Kfz-Steuer fließt wahrscheinlich das wenigste Geld dahin.

Ich klage dahingehend wieder einmal den Kapitalismus an. Dieses ganze kapitalistische System hat weiß Gott sehr viele Vorzüge, aber auch seine Defizite. Und dein Thema hier spielt genau in die Defizite.
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Re: Der schleichende Untergang des deutschen Sozialstaates

Beitrag von Bender » 23.04.2016 23:26

Die jüngst als Honeypot für Wähler gedachte Rentenerhöhung könnte sich als Bumerang erweisen, da dadurch das ganze Thema verstärkt in den Fokus rückt und dabei Stück für Stück seziert wird.

Aktuelle Zahlen belegen, dass der Stundenlohn bei 38,5h/Woche und 45 Arbeitsjahren bei mindestens 11,68€ liegen müsste, um eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu beziehen.

Zuerst möchte ich hierbei anmerken, dass Schule/Studium/Ausbildung heute eher im Bereich von 25-30 Jahren beendet wird als mit 20 (45 Ertragsjahre sind da unwahrscheinlich) wodurch man wohl eher mit deutlich mehr als 12 Euro rechnen müsste.
Und um auch nur ansatzweise einen Unterschied im Alter feststellen zu können, sollten es dann doch mehr sowas Richtung 15€/h werden.
Bei einem Mindestlohn von 8,50€.

Was liegt also am nächsten? Es wird eine Anhebung des Mindestlohnes diskutiert! :facepalm:

Gefühlt jedes zweite Auto auf den Straßen gehört zu einem Pflegedienst und kümmert sich um die riesige und stetig wachsende Zahl an alten, kranken, behinderten, dummen oder auch faulen Menschen.
Das ist Irrsinn!
Es müsste so sein, dass sich in erster Linie um die Leute gekümmert wird, die hier noch mit Kraft die Ruder durchs Wasser ziehen!
Ich erwarte als produktives Mitglied der Gesellschaft, dass ich im Supermarkt, beim Arzt und in der Sparkasse vorgelassen werde!
Nicht etwa, weil ich mir zu schade für eine Warteschlange bin, sondern weil ich hier die Brötchen verdiene. Und zwar verdiene ich diese für den faulen Hartzer genauso wie für den feigen Ausbildungsabbrecher oder den frustrieren Opa sowie den Pechvogel mit dem Gipsfuß.

Nun kann es natürlich auch mir selber extrem schnell so gehen, dass ich unsere Sozialsysteme verstärkt in Anspruch nehmen muss und damit zu jenem "Ballast" werde, den ich hier gerade so runterputze.
In diesem Fall würde ich jedoch akzeptieren (müssen!), dass ich dennoch meinen Beitrag zu leisten habe.
Und sei es nur, dass ich einem erschöpften Arbeiter in seiner Mittagspause Luft zufächere.
Wenn ich selbst das nicht mehr leisten kann, dann habe ich zumindest meine Füße und meine Klappe still zu halten gegenüber denen, auf deren Gnade ich von nun an angewiesen bin.
Unrealistisch? Abgehoben?

Seit Jahrmillionen ist es auf der Erde so, dass Nahrungssuche (=Arbeit) die Voraussetzung für's Überleben ist, die Nichtsuche derselben mit dem Tod bestraft wird.
Nun schrumpft der Unterschied dazwischen auf einige Zoll mehr oder weniger Bilddiagonale beim Wohnzimmer-TV.

Die Sozialsysteme hatten mal den Sinn, eine begrenzte Anzahl über einen begrenzten Zeitraum zu stützen.
Nun haben wir damit eine Gesellschaft von Arbeitsunfähigen geschaffen. Mit extrem starker Lobby als Rückhalt.

Besonders in Hinblick auf die jüngste Zuwanderungswelle ist hier dringend Handlung erforderlich!
Arbeit MUSS sich lohnen!
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