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 Betreff des Beitrags: Gedichte
BeitragVerfasst: 18.10.2002 16:06 
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...the mighty mighty chansonier enters the room...

gedichte .... die gefallen, berühren, verstören, begeistern, ermutigen, zerstören, enthemmen, beklemmen, verängstigen, zerrütten, besänftigen, entgeistern, entzaubern, entmachten, entdecken....



bertolt brecht - erinnerung an die marie a.

I
An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

II
Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich küsste es dereinst.

III
Und auch den Kuss, ich hätt' ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.


...the mighty mighty chansonier has left the building...

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BeitragVerfasst: 19.10.2002 22:02 
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Schlaf

Sie war ein bißchen kurz geraten,
wurde allmählich dick, hatte aber mal verdammt
gut ausgesehen, und
sie trank ständig Wein,
trank sogar im Bett, und
redete und fluchte und brüllte mich
an
und ich sagte zu ihr
" Komm, sei so gut, ich brauch
meinen Schlaf "

--- Schlaf? Schlaf? du mieser
Sack, du schläfst doch nie,
du brauchst überhaupt keinen
Schlaf ?

Ich beerdigte Sie an einem frühen Morgen
Ich trug sie Abhänge der Hollywood Hills runter
durch Geröll und Brombeerhecken aus denen
Kaninchen rausrannten
und bis ich das Loch ausgehoben
und sie reingesteckt hatte
mit dem Bauch nach unten
und den Dreck wieder reingeschaufelt hatte
war die Sonne aufgegangen und es war warm
und die Fliegen waren träge und
ich konnte kaum aus den Augen sehen
alles war so
warm und gelb

Irgendwie schaffte ich es , nach Hause zu fahren, und ich
stieg ins Bett und
schlief 5 Tage und 4 Nächte
lang.

Auszug aus "Gedichte die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster fiel" nach Bukowski ^^


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BeitragVerfasst: 20.10.2002 15:05 
Wenn Liebe in Dir ist dann klingt aus dir Musik.
Wenn dein Moment hier ist, dann spricht für dich dein Blick.
Und der Mensch, den du magst, versteht, was du sagst,
und wärst du auch still.
Dein Herz verrät, daß Liebe in dir ist, die nicht mehr schweigen will.
Zeig einfach ehrlich, was sich in dir versteckt.
Kein Wunsch ist gefährlich, wenn ihn die Liebe weckt.
Und der Mensch, den du liebst, wird spür'n, was du gibst.
Und die Hoffnung auf Glück vereinigt euch.
Wenn Liebe in dir ist, dann halt sie nicht zurück!


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BeitragVerfasst: 20.10.2002 18:19 
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...the mighty mighty stimmlos enters the room...

schade nur, oder sogar glücklicherweise, daß solche texte wie vorher genannter, nur in den momenten entstehen, in denen die liebe gerade doch zurückgehalten wird, zurückgehalten werden muß.
ich glaube, daß der schlechteste dichter, schreibt er nun gedichte, songtexte oder geschichten, der verliebte dichter ist. wahrscheinlich schreibt man nur gute texte über liebe, wenn man von ihr enttäuscht worden ist.
denn der schmerz ist zuckersüß.....

...the mighty mighty stimmlos has left the building...

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BeitragVerfasst: 22.10.2002 13:31 
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...the mighty mighty zickenbart enters the room...

taube geduld

im schneidersitz
schlafen mir nach geraumer zeit
die füße ein.
doch am bartflaum kraulend
ist dies die beste art des wartens.

nur selten
ist ein lächeln
als antwort zu verstehen.

meist schlafen auch
die gesichter ein.

...the mighty mighty zickenbart enters the room...

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BeitragVerfasst: 23.10.2002 00:28 
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Spielt gerade: mit seinen Gedanken
Geduld

Warten in der ewigen Zeit,
Wann ja Wann,
ist die Zeit endlich Soweit?

Die Welt mit offenen Augen zu sehen,
Ein Bad aus Gefühlen,
ja dem will Ich entgegenstehen.

Mein Herz wird Stein,
Warten ja Warten,
Muss das den wirklich sein?

Leben und Gelebt haben,
Wohl will ich reden,
was mir all die Menschen gaben.

Geduld zu erlernen,
die Gabe des Menschen,
nicht aus Angst vor Geduld, sich zu entfernen.


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BeitragVerfasst: 23.10.2002 14:38 
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...the mighty mighty abc-quiz enters the room...

@fenster: selber geschrieben?

den gefühlen entgegenstehen?
herz wird stein?
und der verstand?

ist es die gabe des menschen, geduld zu erlernen?
oder sollte sie es sein?
geduld aufbringen, für das was wird, oder für das, was war?

fragen.
unkritisch.
wichtig.

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BeitragVerfasst: 23.10.2002 22:53 
wieder und wieder stehe ich auf und möchte irgendwohin gehn
und möchte nur das einzig richtige tun
doch überall um mich herum sind diese bösen geister
sodass ich es doch nicht tu
ich bin wieder allein und niemand kann es lebendig machen
keiner kann behaupten, dass sie besser sind
wenn all diese freiheiten, die sie bekommen, die reinste lüge sind.
wieder und immer wieder


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BeitragVerfasst: 24.10.2002 01:01 
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Spielt gerade: mit seinen Gedanken
Gedanken gemacht hat sich also jemand.

Was Wird oder Was War?
Verstand oder Nicht?
Ein Herz Wird Stein Oder doch nicht?

Verstand oder Nicht?

Ja was willst du Hören was soll ich sagen zuviele Antworten auf einmal und alle haben einen mega Grossen Hintergrund, den ich nicht so ohne weiteres Erklären kann und den ich mir nicht einfach aus den Fingern sauge. Moge es ein scheiss Gedicht sein, wenn es überhaupt eins ist, nach Meinung aller Die Da Drausen vor eurem Rechnersitzenden. Ich sage jedenfalls ich finde es garnicht mal so schlecht. Weil im Weitesten Sinne Gefühl drin steckt.

Ich glaube das ist auch der Punkt wo sich die Geister scheiden, und man für sich selber entscheidet was gut ist und was man einfach nicht versteht. Kein Diss, umhimmelswillen! An neimanden da von euch! Doch ich will mal ein Beichspiel zeigen was sicher ein wenig Licht ins Dunkle bringt!

Die Schande

Berthold Brecht

Als ich bestolen wurde in Los Angeles, der Stadt
Käuflicher Träume, merkte ich
Wie der Diebstahl, ausgeführt von einem Flüchtling
Gleich mir selber und einem Leser
All meine Gedichte, sorglich geheimhielt
So als fürchte ich die Schande
Könne bekannt werden, sagen wir, ber der Tierwelt.

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Zuletzt geändert von Fenster am 26.10.2002 16:46, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 26.10.2002 16:32 
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Die Friedenssuppe - Otto Jägersberg

Wenn die schönen Wörter Flügel kriegen
fangen die völkischen Beobachter sie ein
rupfen die Federn und machen
eine Suppe draus

Gar nicht wiederzuerkennen rufen wir
nach dem ersten Schlag
Nicht wahr zu sagen sie bescheiden
wir kochen mit Liebe
nach altem Rezept

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BeitragVerfasst: 27.10.2002 17:28 
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der mann der aussieht wie ein nilpferd.
ich hatte mal einen gedichtband von ihm und hab ihn verloren.
er fiel mir gerade wieder ein, weil das mich gedicht von otto jägersberg irgendwie an erich frieds schreibstil erinnert.


Inschrift

Sag
in was
schneide ich
deinen Namen?

In den Himmel?
Der ist zu hoch
In die Wolken?
Die sind zu flüchtig

In den Baum
der gefällt und verbrannt wird?
Ins Wasser
das alles fortschwemmt?

In die Erde
die man zertritt
und in der nur
die Toten liegen?

Sag
in was
schneide ich
deinen Namen?

In mich
und in mich
und immer tiefer
in mich

Erich Fried

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BeitragVerfasst: 28.10.2002 13:34 
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Der Hass- Johannes R. Becher


O Haß! Gib mir ein Bild, das hassenswert
Gib einen Menschen mir von solcher Größe
Daß, wenn ich hasse, mich der Haß auch ehrt!
Euch Spießer aber nur aus Feigheit böse

Und stinkend dumm: wenn euch mein Haß durchfährt
- Am Stammtisch sitzt ihr, brüllend zum Getöse
Der Marschmusik-, ist dies kein Haß, der mehrt
Mir meinen Haß und zeigt des Hasses Größe.

Wie könnte ich euch mit heilgem Hasse hassen!
Vor Lachen mir der Hals zu platzen droht.
Der Haß beginnt in mir schon nachzulassen

Und ich gerat gar bald in Hassensnot.
o, wieviel größer wär mein Haß und tiefer-
Doch liefert mir die Zeit nur Ungeziefer.

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BeitragVerfasst: 28.10.2002 16:36 
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johannes sagts!
krasses gedicht. manchmal gibt es gedichte, oder andere texte, die man liest und bei denen man meint: GENAU! genau so! endlich schafft es einer, diese gefühle in worte zu fassen, den gedanken ein paar schuhe anzuziehen und sie auf reisen zu schicken, hinein in die köpfe.
diese unaussprechbaren, unausgesprochenen gedanken, die irgendwo in einem gären und dann mit einmal herausplatzen und wortwörtlich so waren, wie sie im gedicht vor einem liegen.
da läuft es mir beinahe eiskalt den rücken herunter.

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BeitragVerfasst: 31.10.2002 16:44 
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Hoffnung - Albert Ehrenstein


Nicht habe ich Gewalt,
Augen zu geben blinden Steinen.
Leicht aber einem verachteteten,
Armen, alten Sessel,
Dem ein Fuß fehlt,
Bringe ich Freude,
Mich zart auf ihn setzend.

Seid sanft, o ihr Starken!
Und, Macht versammelnd im Mut,
Bald werden, Selig gleich, die Menschen
Entrauscht sein fahlkranker Armut
Und in ihrem Dasein,
Die Götter starben,
Finden den Himmel.

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BeitragVerfasst: 02.11.2002 22:20 
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Spielt gerade: mit seinen Gedanken
ICH in uns-Beate Stowe

Wenn wir in uns kehren
uns den Blick nicht verwehren
kann uns so manches erblicken
können mit Staunen und Entzücken
das ICH in uns erkennen
doch werden wir es nicht nennen
beim Namen, zumeist uns dieser
gänzlich unbekannt
wenn wir die Trauer verbannt und
den Frohsinn erkannt
sind wir voller Lebenslust

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BeitragVerfasst: 06.11.2002 11:20 
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Selbstvernichtungsfanatiker - Charles Bukowski

Meine Schlange hat rote Finger
sagte er
und sie holten ihn von der Couch
und legten ihn auf eine Tragbahre
und trugen ihn die 25 Stufen runter
und seine Frau schlug die Beine
übereinander ( man konnte fast
ihre magische Box sehen) und
machte sich eine Zigarette an
und sagte
Ich kann einfach nicht verstehen
was in ihn gefahren ist
und ich verpasste ihr eine Ohrfeige
daß die Zigarette auf den Teppich flog
wie ein Splitter vom Mars
und folgte der Tragbahre
nach unten.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 06.11.2002 13:18 
Es sind fünftausend von uns hier
in diesem kleinen Stückchen Stadt.
Wir sind fünftausend.
Ich wüßte gern, wie viele wir sind
in den Städten und im ganzen Land?
Hier allein
sind zehntausend Hände, die pflanzen
und die Fabriken betreiben.
Wieviel Menschlichkeit
ausgesetzt dem Hunger, der Kälte, der Angst, der Qual,
der Unterdrückung, dem Terror, dem Wahnsinn?
Sechs von uns sind verloren
wie im Weltraum.
Einer tot, einer geschlagen, wie ich nie geglaubt hätte,
daß ein Menschenwesen geschlagen werden kann.
Die anderen vier wollten ihre Qualen beenden -
einer sprang ins Nichts,
einer schlug den Kopf gegen die Mauer,
aber alle mit dem starren Blick des Todes.
Was für ein Grauen die Fratze des Faschismus schafft!
Sie führen ihre Pläne mit der Präzision von Messern aus.
Ihnen ist alles gleich.
Für sie ist Blut wie ein Orden,
Schlächterei eine Heldentat.
O Gott, ist das die Welt, die du geschaffen hast?
Dafür deine sieben Tage voll Wundern und Taten?
In diesen vier Wänden gibt es nur eine Zahl,
die sich nicht vermehrt.
Die sich mehr und mehr nach dem Tode sehnt.
Aber plötzlich erwacht mein Gewissen
und ich sehe diesen Strom ohne Herzklopfen,
nur den Rhythmus von Maschinen
und die Militärs, die ihre Hebammen-Gesichter aufsetzen,
voller Zärtlichkeit.
Laßt Mexico, Cuba und die Welt
gegen diese Schändlichkeit protestieren!
Wir sind zehntausend Hände,
die nichts produzieren können.
Wie viele von uns im ganzen Land?
Das Blut unseres Präsidenten, unseres compañeros,
wird kühner kämpfen als Bomben und Maschinengewehre!
Auch unsere Faust wird wieder kämpfen.
Wie schwer ist das Singen,
wenn ich den Schrecken singen muß.
Den Schrecken, den ich lebe,
den Schrecken, den ich sterbe.
Mich selbst unter so vielen sehen
und so viele Augenblicke der Unendlichkeit,
in denen Schweigen und Schreie
das Ende meines Gesanges sind.
Was ich sehe, habe ich nie gesehen.
Was ich gefühlt habe und was ich fühle,
wird den Augenblick erschaffen ...

von Victor Jara (1938-1973)

"Er war einer der großen Helden des wirklichen Volksliedes, eine der Lichtgestalten in Lateinamerika, ein Che Guevara mit Gitarre."

"Victor Jara war ein Künstler. Er war einer von uns. Die Trauer über unseren toten Helden macht ihn nicht wieder lebendig. Aber die Erfüllung seines Traumes von einer Welt der Menschlichkeit, der Liebe und des Friedens wird ihn unsterblich machen."
Harry Belafonte

Victor Jara wurde im Jahre 1938 geboren als Sohn einer Wäscherin und eines Landarbeiters. Dank seines Talents und seines Willens studierte er trotz der sozialen Schranken in Chile an der Universität und wurde bekannter Schauspieler und Regisseur. Mit der Zeit machte er sich auch als Sänger und Liedermacher einen Namen, zuerst mit traditionellen Lieder, später auch mit eigenen, politischen Chansons. Jara unterstützte nicht nur die Unidad Popular und Salvador Allende im Wahlkampf, er wurde zur Stimme der Hoffnung des chilenischen Volkes auf Freiheit und Gerechtigkeit.

Während dem Putsch Pinochets im Jahre 1973 wurde Victor Jara zusammen mit Tausenden Leidensgenossen ins Fussballstadion von Santiago de Chile gesperrt. Als er mit seiner Gitarre zum Singen ansetzte, hackten die Wächter dem Musiker die Hände ab. Er sang trotzdem weiter und wurde schliesslich erschossen, sein Leichnam, durchsäht von Dutzenden Schusswunden, im Stadion verscharrt. Aber ihr Ziel, Victor Jara zum Schweigen zu bringen, haben die Häscher des Faschismus nicht erreicht. Im Gegenteil, der Geist dieses Märtyrers der Menschlichkeit wird fortleben, solange man seine Lieder singt.

lumpenjule


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BeitragVerfasst: 10.11.2002 15:26 
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Aufstehen - Otto Jägersberg

Morgens 7 Uhr
verfolgen wir aus dem Bett
die Verlesung unseres Horoskops
für Dienstag den 3. Januar
im Telekanal 5

Milchige Überblendung vom Symbol
auf den Kopf der blonden Moderatorin
Es sieht übel aus

Den Komentar spricht
ein gezämter Brigant
Liegenbleiben

Dann in kleiner Runde
die Disskusion Sachverständiger
Erst sieht es nicht so gut aus
aber am Ende der Sendung
empfiehlt man uns
aufzustehn

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BeitragVerfasst: 16.11.2002 18:06 
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Ernest Hemingway - Flache Dächer

Es ist kühl nachts auf den Dächern der Stadt
Die Stadt trieft
Völlig vom Schweiß.
Maden von Leben
Kriechen in der heißen Einsamkeit der Stadt.
Liebe gerinnt in der Stadt
Liebe säuert in dem heißen Flüstern des Pflasters.
Liebe wird alt
Alt mit dem Altern des Gehwegs.
Es ist kühl nachts auf den Dächern der Stadt

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BeitragVerfasst: 04.12.2002 18:17 
Drei Wünsche oder einer

Einatmen
nicht nur deine Stimme
nicht nur deine Worte spüren
nicht nur was du schreibst
nicht nur was du spürst
sondern dich
mich nicht nur
dir nahe glauben
sondern dir nahe sein

Erich Fried


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